Das Schweigen bricht in Österreich

Bis auf den letzten Platz war der Saal im Volkshaus der "Solar City" in Linz beim Decke des Schweigens Seminar am 15. Februar 2014 besetzt. 285 Teilnehmer aus allen Bundesländern besuchten das erste Seminar dieser Art in Österreich - viele brachen zum ersten Mal ganz persönlich die Decke des Schweigens über die Zeit des Nationalsozialismus.

Zu Beginn begrüßte Marie-Louise Weissenböck, die Vorsitzende von Christen an der Seite Israels und Veranstalterin des Seminars die Teilnehmer.

Nach einer Einführung zum Thema von Claudia Kötzer berichteten die Pastoren Helmut Eiwen und Jakob Krämer über die Decke des Schweigens aus österreichischer Sicht: Unmittelbar nach dem Krieg hatte sich Österreich als erstes Opfer Nazideutschlands dargestellt und damit jede Verantwortung von sich gewiesen. Diese Haltung hatte verheerende Auswirkung in der Wiedergutmachungspolitik und führte dazu, dass bis in die 90er Jahre jegliche Aufarbeitung auf öffentlicher Ebene  ausblieb. Seither hat es zwar von öffentlicher Seite  Aufarbeitung gegeben und auch einzelne Kirchen und Gemeinden haben Versöhnungsaktionen durchgeführt. Dennoch liegt bis heute eine schwere Decke des Schweigens über die Beteiligung am Holocaust und am Vernichtungskrieg auf den Familien in Österreich.

Jobst Bittner führte am Nachmittag das Thema mit Betrachtungen über die Verstrickung der Familien und das Konzept der "Deutschen Volksgemeinschaft" fort. Dieses Konzept hatte dazu geführt, dass jeder, der nicht aktiv Widerstand leistete, automatisch zu einem Komplizen des Systems der Ausgrenzung, Beraubung und schließlich der Vernichtung wurde. Einige Mitarbeiter der TOS berichteten anschließend, wie sie die Nazivergangenheit ihrer Vorfahren aufgedeckt hatten und wie dadurch Heilung und Versöhnung in ihre Familien kam.

Zum Abschluss führte Jobst Bittner die Teilnehmer ins Gebet. Nach einer Zeit des Gebets in Gruppen gab er die Gelegenheit, über Mikrofon in kurzen Sätzen öffentlich für die Verstrickung der eigenen Familie in den Nationalsozialismus um Vergebung zu bitten. Die Teilnehmer strömten nach vorne, viele waren tief erschüttert: "Mein Vater war bei der SS", "mein Großvater war Aufseher im KZ", "mein Großvater war NS-Ortsgruppenleiter und war ein Nazi bis zu seinem Tod", "meine Familie ist bis heute voller Antisemitismus" usw. Etwa 150 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die Decke des Schweigens ganz persönlich zu zerbrechen. Ein Pastor drückte es mit den Worten aus: "So etwas hat es in Österreich noch nie gegeben."

Heinz Reuss (TOS)

Vorträge hier downloaden von Helmuth Eiwen und Jakob Krämer

Vorträge von Jobst Bittner zu bestellen im TOS-Medienshop

 

 


 

Buchempfehlung "Die Decke des Schweigens"

Jemand, der schweigen kann, gilt als charakterlich gefestigt und stark. Im Licht der Bibel sieht das anders aus. Der höchste Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen zeigt sich in der Fähigkeit der direkten Kommunikation. Wie viel Schmerz, Trauma und Unbewältigtes in der Vergangenheit kann hinter dem Schweigen eines Menschen verborgen sein? Und wie viel kann an Heilung, Wiederherstellung und Veränderung passieren, wenn ein Mensch es schafft, dieses Schweigen zu durchbrechen?

"Die Decke des Schweigens" wird von Generation zu Generation weitergegeben und verhindert Versöhnung, Heilung und Wiederherstellung bei uns persönlich, in Familien, in Kirchen und Gemeinden sowie in Städten und Nationen. 

Ausgehend von den eigenen biografischen Erfahrungen in Tübingen, einer Universitätsstadt, die zur Zeit des Nationalsozialismus eines der ideologischen Zentren war, aus dem Exekutoren und Massenmörder hervorgingen, beleuchtet Jobst Bittner aus biblisch-theologischer, kirchengeschichtlicher und psychologischer Sicht, was die "Decke des Schweigens" ausmacht und wie wir sie durchbrechen können.

Jobst Bittner stellt sich der Frage, inwieweit für uns als Christen stellvertretende Buße (noch) notwendig und/oder überhaupt möglich ist, und zeigt zugleich auf, wie sich schon während der frühen christlichen Geschichte eine "Decke des Schweigens" in die junge Kirche einschleichen konnte.

Der Referent und Buchautor 

Jobst Bittner ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Theologe M.A. Jobst gründete 1990 mit seiner Frau Charlotte die TOS in Tübingen und hat weltweit Dienste und Gemeinden aufgebaut. In seinem Buch "Die Decke des Schweigens" bestätigen zahlreiche persönliche Erlebnisberichte von Menschen aus unterschiedlichsten Hintergründen die Aktualität der Themen und geben Hoffnung und Perspektive.

mehr Info zum Buch auf:
www.DieDeckedesSchweigens.de

feedback Newsletter Newsletter Spenden

ERROR: Content Element type "powermail_pi1" has no rendering definition!

ERROR: Content Element type "powermail_pi1" has no rendering definition!

Um Überlebende einladen zu können, haben wir ein online-Sparbuch eingerichtet. Zum Gedenken von 70 Jahre Gusen II (1944-2014) wollen wir vor allem Überlebende von Gusen II einladen. Bitte helfen Sie uns und mit Ihrer Spende!

 

Ihre Spende für den "Marsch des Lebens" in Österreich können Sie auf folgendes Konto Überweisen:

 

Kontoinhaber: Christen an der Seite Israels - Österreich
Konto-Nr: 4100 235226
BLZ: 32667
IBAN:  AT12 3266 7041 0023 5226
BIC: RLN WAT WW PRB
Verwendungszweck: "Marsch des Leben"

 

Christen an der Seite Israels ist eingetragen bei der Bundespolizeidirektion Wien, Büro für Vereins-, Versammlungs- und Medienrechtsangelegenheiten unter der Vereinsregister-Nr. ZVR 245887564. Der Verein ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt.