Stimme eines Überlebenden

"Six Million and One" dokumentiert eine authentische Geschichte, die sich vor 70 Jahren in einer Welt zugetragen hat, von der man Jahrzehnte lang geglaubt hat, sie sei eine zivilisierte gewesen. Es war aber die "Hölle", die 'einer' nur durch ein Wunder überlebt hat.

Sehr leicht hätte der 'Eine' auch zu den 'sechs Millionen' ermordeten Juden des Nazi-Terrors in Europa gehören können. Sein Name ist Joseph Fisher. Er stammte  aus Ungarn und war 16 Jahre alt, als er im Mai 1944 über Auschwitz in Mauthausen ankam. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 67656. Nur ein paar Tage später wurde Joseph nach Gusen verlegt und zu Kriegsende in Gunskirchen befreit. - Er ging nach Israel, heiratete Mali, ebenso eine Überlebende der Shoa, und sie wurden eine Familie mit fünf Kindern. Nach seinem Tod am Ende des 20. Jahrhunderts fanden seine Kinder die Erinnerungen ihres Vaters. - Sie hatten keine Ahnung, dass er welche geschrieben hatte. 12 Jahre danach brachten sie es immer noch nicht fertig, sie zu lesen, nur für seinen Sohn David war es nie eine Frage. Er tauchte in sie ein und kann sie seither nicht mehr beiseite legen.

Auszüge aus dem Tagebuch

"Dies ist mein vierter Versuch zu schreiben. Ich hoffe, dass ich diesmal die Kraft habe, durchzuhalten und ein Vermächtnis zu hinterlassen, da ich kein Vermögen angesammelt habe. Ich hoffe, das Schreiben wird mich von der Seelenqual befreien, in der ich seit der Befreiung aus den Lagern gefangen bin. Dieser Bruch war so einschneidend, dass ich mich Tag und Nacht elend fühlte. Ich wusste mir nicht zu helfen. Also: Zähne zusammenbeißen und durch."

"Jom Kippur geht zu Ende und ich muss weiter schreiben. Ich war den ganzen Tag in der Synagoge, als ob ich ein Gelöbnis abgelegt hätte. Das erste Mal, dass ich an Jom Kippur nicht gefastet habe, war im Steinbruch von Gusen. Ich war so hungrig, dass es mir egal war, ob Gott mich straft, solange ich zu essen hatte. Ich beschloss, nie mehr zu fasten, wenn es etwas zu essen gab. Also aß ich ganz normal. Es gab Jahre, in denen ich mir kaum Essen leisten konnte. Trotzdem fastete ich an Jom Kippur immer noch nicht. Aber als die Kinder kamen, überredete mich Mali. Sie sagte: 'Um ihretwillen.'"


"Die Leute sagen, ich sei traurig und versänke in Melancholie. Ich weiß, es ist schwer, einen wie mich zu akzeptieren. Meine lieben Kinder, selbst in meinen glücklichsten Momenten bin ich dort. Ich bedauerte es oft, überlebt zu haben und fragte: Warum ich? Ich bin sicher, jeder von meiner Art ist wie ich. Wir alle sind Schauspieler."

"Am ersten Tag in Gusen sollte ich im 'Sanatorium' saubermachen. So nannten die Deutschen den Vernichtungstrakt. Am Ende war ein kleiner Raum, der immer verschlossen war. Einmal betrat ich ihn und sah, wie sie einen Kranken in einer Betonwanne ertränkten. Andere lagen aufgereiht da und sahen mit an, was sie erwartete. Ich werde die Blicke nie vergessen, mit denen sie mich um ein Stück Brot anbettelten. Am nächsten Tag wurden die Leichen durchs Fenster auf eine Karre mit einem Menschengespann geworfen, als wären sie Rüben. Meine Hände zittern, während ich das schreibe."

"Wir gruben einen Tunnel in irgendeinem Berg. Wir arbeiteten mit Hacken und Schaufeln. Wir schleppten Baumaterial hinein und gossen Beton. Es war immer dunkel. Sinn und Zweck des Ganzen kannte keiner von uns. Je tiefer wir kamen desto mehr war uns wie in einem Labyrinth, das wir mit eigenen Händen bauten und in dem wir bald eingeschlossen würden. Ich dachte: Hier kommst du nicht lebend raus."

"Wir verließen Gusen. Wir mussten einzeln hintereinander gehen. Heute weiß ich, dass es ein 'Todesmarsch' war. Wir schliefen im Wald. Morgens aß ich Gras wie eine Kuh und sammelte Schnecken. Einige saugte ich aus, andere sparte ich für später auf. Aber je größer die Vorfreude, desto größer die Enttäuschung. Abends merkte ich, dass die Schnecken aus meiner Jackentasche gekrochen waren. Ich war sehr traurig. Am nächsten Tag erreichten wir das Lager Gunskirchen. Ich begriff, das sollte unsere letzte Station sein. Ich lehnte mich gegen einen Baum und wartete, dass die Zeit verging. Über das, was dort geschah, bis die Amerikaner kamen, kann ich jetzt nicht schreiben."

© David Fisher, "Six Million and One", Dokumentarfilm, Israel 2011
(Auszug mit freundlicher Genehmigung)

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